{"id":5338,"date":"2024-10-03T15:26:25","date_gmt":"2024-10-03T14:26:25","guid":{"rendered":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/?p=5338"},"modified":"2024-10-03T15:26:25","modified_gmt":"2024-10-03T14:26:25","slug":"rechter-gebruikt-chatgpt-een-wenselijke-ontwikkeling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/rechter-gebruikt-chatgpt-een-wenselijke-ontwikkeling\/","title":{"rendered":"Richter benutzt ChatGPT: eine w\u00fcnschenswerte Entwicklung?"},"content":{"rendered":"<p>Ein bemerkenswertes Urteil des Gerichts Gelderland im Juni 2024 hat die Rechtswelt in Aufruhr versetzt. Zum ersten Mal wurde ChatGPT, ein KI-Sprachmodell, von einem Richter verwendet, um eine Einsch\u00e4tzung in einer Zivilsache vorzunehmen. Dies wirft wichtige Fragen zur Zul\u00e4ssigkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit von k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) in Gerichtsverfahren auf.<\/p>\n<p>In dem Fall ging es um einen Streit zwischen Nachbarn wegens des Wirkungsgradverlust von Sonnenkollektoren. Einer der Nachbarn hatte eine Dachkonstruktion installiert, die die Sonnenkollektoren des Nachbarn dauerhaft beschattete. Das Gericht musste den Umfang des finanziellen Schadens bestimmen. Um die durchschnittliche Lebensdauer von Sonnenkollektoren zu ermitteln, zog der Richter ChatGPT zu Rate, das eine durchschnittliche Lebensdauer von 27,5 Jahren angab. Die Reaktionen auf diesen Ansatz reichten von vorsichtigem Optimismus bis zu heftiger Kritik.<\/p>\n<p><strong>Was war der Sachverhalt?<\/strong><\/p>\n<p>Der betreffende Richter sah sich mit einer kniffligen Berechnung konfrontiert. Die Lebensdauer von Solarmodulen und die damit verbundenen Ertr\u00e4ge waren relevante Faktoren f\u00fcr die Bestimmung des Schadensersatzes. Obwohl der Kl\u00e4ger Zahlen und Berechnungen vorlegte, fand der Richter sie schwer nachvollziehbar. Anstatt Experten oder andere Quellen zu konsultieren, beschloss er, seine eigene Sch\u00e4tzung \u201eteilweise mit ChatGPT\u201c vorzunehmen.<\/p>\n<p>Der Einsatz eines KI-Tools wie ChatGPT ist ein neues Ph\u00e4nomen in der niederl\u00e4ndischen Rechtsprechung und f\u00fchrt zu vielen Diskussionen. War es gerechtfertigt, KI einzusetzen? Und wenn ja, h\u00e4tte der Richter den Parteien nicht zuerst die M\u00f6glichkeit geben m\u00fcssen, darauf zu antworten?<\/p>\n<p><strong>Der Vergleich mit dem 'googelnden Richter'<\/strong><\/p>\n<p>Das Urteil erinnert an ein Urteil des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2011, das den Begriff des \u201egoogelnden Richters\u201c einf\u00fchrte. Damals hatte ein Richter selbstst\u00e4ndig im Internet nach Fakten gesucht, die nicht in den Schrifts\u00e4tzen auftauchten. Nach Ansicht des Obersten Gerichtshofs verstie\u00df dies gegen den Grundsatz des rechtlichen Geh\u00f6rs, da die Parteien stets die M\u00f6glichkeit haben sollten, auf die vom Richter vorgetragenen Fakten zu reagieren.<\/p>\n<p>Obwohl der Richter in der Solarzellen-Sache darauf hinwies, dass ChatGPT nur \u201eteilweise\u201c als Quelle verwendet wurde, kam es sofort zu einer \u00e4hnlichen Diskussion. Sollten die Parteien die M\u00f6glichkeit haben, sich zu den von der KI generierten Informationen zu \u00e4u\u00dfern? Viele Juristen auf Plattformen wie LinkedIn sind der Meinung, dass sie dies tun sollten.<\/p>\n<p><strong>Kritik: ChatGPT ist kein Experte und Richter sind passiv<\/strong><\/p>\n<p>Rechtsexperten warnen, dass KI-Tools wie ChatGPT nicht f\u00fcr juristische Zwecke konzipiert sind. Die meiste Kritik konzentriert sich auf die Tatsache, dass ChatGPT keine Fachressource ist. W\u00e4hrend eine Suchmaschine wie Google noch auf vorhandene Informationen verweist, generiert ChatGPT Antworten ohne direkten Quellenangabe. Das macht es schwierig zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die gegebenen Informationen korrekt sind. Dies kann vor allem in einem juristischen Kontext problematisch sein, in dem Fakten sorgf\u00e4ltig belegt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ein weiterer grundlegender Einwand gegen die Verwendung von ChatGPT durch Richter liegt im Grundsatz der richterlichen Passivit\u00e4t. Im niederl\u00e4ndischen Rechtssystem darf ein Richter nur auf der Grundlage des von den Streitparteien vorgelegten Tatsachenmaterials entscheiden. Das bedeutet, dass ein Richter sich auf die ihm vorgelegten Informationen beschr\u00e4nken muss und keine eigenen Nachforschungen anstellen darf. Wenn ein Richter ChatGPT einsetzt, um eigenst\u00e4ndig Informationen zu sammeln, z. B. \u00fcber die Lebensdauer von Solarzellen, verst\u00f6\u00dft er m\u00f6glicherweise gegen diesen Grundsatz. Es stellt sich die Frage, ob der Richter durch den Einsatz von KI noch ausreichend passiv bleibt oder ob er im Gegenteil aktiv an der Zusammenstellung des Tatsachenmaterials beteiligt wird. Dies k\u00f6nnte zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen den Prozessparteien f\u00fchren, insbesondere wenn diese keine Gelegenheit hatten, die von der KI gelieferten Informationen anzufechten.<\/p>\n<p><strong>Positive T\u00f6ne: KI als Hilfsmittel<\/strong><\/p>\n<p>Trotz dieser Bedenken gibt es auch positive Stimmen zum Einsatz von KI in der Rechtsprechung. Einige betonen, dass KI, wie z. B. ChatGPT, ein n\u00fctzliches Werkzeug f\u00fcr Richter sein kann, wenn es beispielsweise um die Analyse komplexer Informationen oder die Verarbeitung gro\u00dfer Datenmengen geht. Ihrer Meinung nach kann diese Technologie dazu beitragen, die Effizienz von Gerichtsverfahren zu steigern, vorausgesetzt, die Richter sind sich der Grenzen von KI bewusst und setzen diese Werkzeuge angemessen ein. Sie fordern daher eine gr\u00fcndliche Schulung der Anw\u00e4lte im Umgang mit KI, damit die Technologie verantwortungsvoll und kompetent eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen wir aus diesem Fall lernen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Fall in Gelderland regt zum Nachdenken \u00fcber die Rolle der KI in der Rechtsprechung an. Einerseits bietet die KI die M\u00f6glichkeit, die Arbeit der Richter zu unterst\u00fctzen und die Verfahren zu beschleunigen. Andererseits sollten wir uns davor h\u00fcten, uns blind auf Technologien zu verlassen, die noch nicht ausgereift sind und nicht speziell f\u00fcr juristische Anwendungen konzipiert wurden.<\/p>\n<p>In der Praxis scheint es wichtig zu sein, klare Richtlinien f\u00fcr den Einsatz von KI in der Rechtsprechung aufzustellen. So hat beispielsweise die American Bar Association in den Vereinigten Staaten bereits Richtlinien f\u00fcr die Nutzung generativer KI durch Anw\u00e4lte ver\u00f6ffentlicht. Ein solcher Rahmen k\u00f6nnte auch in den Niederlanden n\u00fctzlich sein.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist es wichtig, dass die Parteien die M\u00f6glichkeit haben, auf die vom Gericht durch KI erhaltenen Informationen zu reagieren. Dadurch k\u00f6nnte eine Beeintr\u00e4chtigung den Grundsatz des rechtlichen Geh\u00f6rs vermieden werden. Wie das Urteil des Obersten Gerichtshofs von 2011 deutlich macht, ist dies ein Grundsatz, das nicht einfach beiseitegeschoben werden sollte. Auch nicht im Zeitalter der rasanten technologischen Entwicklung.<\/p>\n<p><strong>Fazit: Eine Entwicklung, die klare Rahmenbedingungen erfordert<\/strong><\/p>\n<p>Der Einsatz von ChatGPT durch den Richter in Gelderland ist eine interessante Entwicklung, die jedoch zeigt, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben, bis KI zuverl\u00e4ssig in die Justiz integriert werden kann. KI kann zwar bei bestimmten Aufgaben helfen, aber ihr Einsatz muss sorgf\u00e4ltig abgewogen werden und sich an die Regeln des Verfahrens- und Beweisrechts halten. Wir verfolgen die Entwicklungen in dieser Hinsicht nat\u00fcrlich genau.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Een opmerkelijke uitspraak van de rechtbank Gelderland in juni 2024 zette de juridische wereld op scherp. Voor het eerst werd ChatGPT, een AI-taalmodel, door een rechter gebruikt om een schatting te maken in een civiele zaak. Dit roept belangrijke vragen op over de toelaatbaarheid en betrouwbaarheid van kunstmatige intelligentie (AI) in juridische procedures. De zaak [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5108,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-5338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-actualiteiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5338"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5338\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5340,"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5338\/revisions\/5340"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5108"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/spee-advocaten.nl\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}