Kind bittet Richter um Erlaubnis zur Corona-Impfung

Das Landgericht Nordniederlande hatte kürzlich über einen Fall zu entscheiden, in dem ein zwölfjähriges Kind gegen Corona geimpft werden wollte und die Eltern sich über die Impfung uneinig waren.

Kinder zwischen 12 und 16 Jahren sollten gemeinsam mit ihren Eltern entscheiden, ob sie geimpft werden wollen.

In diesem Fall wollte sich ein 12-jähriger Junge impfen lassen, weil seine Großmutter an Lungenkrebs erkrankt war und er Zeit mit ihr in ihrer letzten Lebensphase verbringen wollte. Der Junge befürchtete, dass er, weil er nicht geimpft war, seine Großmutter anstecken würde, was für sie unmittelbar lebensbedrohlich wäre.

Die Eltern des Jungen waren geschieden und die Beziehung war angespannt. Sie waren sich nicht einig über die Notwendigkeit von Impfungen.

Die Mutter gab ihre Zustimmung, der Vater jedoch nicht. Der Vater sprach sich auch gegen den Corona-Test aus. Nach Ansicht des Vaters überwiegt das Risiko, dass sein Sohn an Corona mit bleibenden Folgen erkrankt, nicht die unklaren Risiken eines Impfstoffs, der sich noch in der Testphase befindet.

Der Junge nutzte den informellen Rechtsweg, um eine Ersatzeinwilligung für die Corona-Impfung zu erhalten. Das Gericht hielt die Bedenken des Vaters hinsichtlich der langfristigen Risiken für unbegründet. Das Kind hatte ein zwingendes Interesse daran, geimpft zu werden, und erhielt vom Gericht die Erlaubnis dazu. Dies wurde wie folgt begründet:

Der Streit zwischen den Eltern des Minderjährigen betrifft die Sorge für seine körperliche Gesundheit. Dafür sind die Eltern verantwortlich, die das gemeinsame Sorgerecht für ihn haben. Im gegebenen Zusammenhang kann der Streit über die Impfung als Streit über die Ausübung der elterlichen Sorge im Sinne von Artikel 1:253a des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuchs angesehen werden. Dieser Artikel regelt, dass bei Uneinigkeit der Eltern, die auch während einer mündlichen Verhandlung vor Gericht nicht übereinstimmen, der Richter entscheidet, was er im Interesse des Kindes für wünschenswert hält.

Der Richter stellte in erster Linie fest, dass Kinder in der Tat an Corona erkranken können und dass, obwohl sie im Durchschnitt nicht so schwer und so oft erkranken wie Erwachsene, auch Kinder ernsthaft erkranken können und auch die Langzeitfolgen dieser Krankheit (Lungenkokken) erfahren können. Außerdem ist das Risiko, andere anzustecken, bei geimpften Personen deutlich geringer als bei ungeimpften.

Der Vater ist verständlicherweise besorgt über die Risiken der Impfung, und in der Tat besteht ein geringes Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen, wie die vom Vater erwähnte Herzbeutel- oder Herzmuskelentzündung, die nach heutigem Kenntnisstand bei etwa 1 von 15.000 geimpften Jungen zwischen 12 und 18 Jahren auftritt. Eine schwerwiegende Nebenwirkung, die glücklicherweise leicht zu erkennen ist und in fast allen Fällen zu einer vollständigen Genesung führen kann. In jedem Fall sind dies alles Risiken, die der Gesundheitsrat bei seiner Überlegung berücksichtigt hat, Kindern zwischen 12 und 18 Jahren die Möglichkeit zu geben, sich für eine Impfung zu entscheiden.

Die langfristigen Risiken für den Vater entbehren jeder sachlichen Grundlage. Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft sind keine langfristigen Risiken denkbar, die den Bedenken des Vaters entsprechen.

In Anbetracht des positiven Gutachtens des Gesundheitsrates und der Interessen, die mit der Impfung verbunden sind, insbesondere der Interessen des Minderjährigen, wie sie oben zum Ausdruck gebracht wurden, folgt daraus, dass das Gericht eine Ersatzeinwilligung erteilen sollte, die es dem Minderjährigen erlaubt, sich impfen zu lassen".

Das Urteil wurde vom Richter für vorläufig vollstreckbar erklärt, was bedeutet, dass der Junge sofort geimpft werden kann, auch wenn der Vater Berufung einlegt.

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